Ein vom Tierarzt empfohlener Ernährungsansatz zur Betreuung Ihres Pferdes oder Ponys mit PPID

Tierärztin Valérie De Clerck

Tierärztin Valérie De Clerck

Zuletzt aktualisiert: 27/10/2025

In unserem vorherigen Blog haben Sie erfahren, was die Pituitary Pars Intermedia Dysfunction oder PPID (Cushing-Syndrom) ist, welche Symptome darauf hinweisen und warum die Ernährung eine so wichtige Rolle bei der Behandlung dieser Erkrankung spielt.

In diesem Blog gehen wir einen Schritt weiter. Wir zeigen, wie Sie die Fütterung Ihres Pferdes oder Ponys mit PPID in der Praxis anpassen können. Sie erfahren, wie Sie die Ration anpassen für:

  • Übergewichtige Pferde mit PPID
  • Untergewichtige Pferde mit PPID
  • Pferde mit PPID und Insulindysregulation
  • Ältere Pferde und/oder Pferde mit Zahnproblemen

Wichtige Faktoren bei der Erstellung eines PPID-Fütterungsplans

Bevor Sie einen Fütterungsplan erstellen, ist es wichtig, sich ein klares Bild vom Zustand Ihres Pferdes zu machen. Eine gründliche Bewertung verhindert, dass sich Probleme nach Änderungen unbeabsichtigt verschlimmern.

Achten Sie vor der Anpassung der Ration auf folgende Punkte:

  • Aktuelle Ernährung: Wenn Sie die derzeitige Energie-, Zucker- und Proteinaufnahme kennen, können Sie oder Ihr Tierarzt erkennen, wo Anpassungen nötig sind.
  • Verfügbare Ressourcen und Haltungsbedingungen: Hat Ihr Pferd Zugang zu einer Weide? Welche Art oder Qualität von Heu und Weide steht zur Verfügung? Wird Ihr Pferd einzeln oder in der Gruppe gehalten?
  • Medizinische Vorgeschichte: Ein neuer Fütterungsplan sollte frühere und bestehende gesundheitliche Probleme berücksichtigen.
  • Begleiterkrankungen: Haben Sie ein älteres Pferd? Dann sollten Sie auf Zahnprobleme oder Arthritis achten, da Ihr Fütterungsplan diese berücksichtigen kann.

Angepasste Ernährung für PPID-Pferde

Bei PPID verliert das Gehirn seine natürliche Bremse für die Hormonproduktion, was zu einem Überschuss an adrenocorticotropem Hormon (ACTH) führt. ACTH regt die Nebennieren an, Cortisol zu produzieren. Bei PPID-Pferden geschieht dies zu stark und zu häufig. Das Ergebnis ist ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel im Körper.

Durch dieses hormonelle Ungleichgewicht nutzen Pferde mit PPID Energie und Nährstoffe weniger effizient, was zu abnormaler Fetteinlagerung und schnellerem Muskelabbau führt. Ohne die „Bremse“ auf die ACTH-Produktion gelangt nach den Mahlzeiten mehr Zucker ins Blut. Der Körper des Pferdes geht davon aus, dass mehr Energie benötigt wird, und produziert mehr Insulin, um den Zucker in die Zellen zu transportieren. Wenn der Zucker nicht genutzt wird, reagieren die Zellen mit der Zeit weniger empfindlich auf Insulin. Dies nennt man Insulindysregulation, die häufig mit PPID einhergeht.

Eine Standardration reicht daher oft nicht mehr aus.

Ein individuell angepasster Fütterungsplan, der den Körperzustand und das Vorhandensein einer Insulindysregulation berücksichtigt, hilft, das hormonelle Gleichgewicht zu unterstützen und ein stabiles Gewicht zu halten.

1. Ernährung für übergewichtige Pferde mit PPID 

Ein Body Condition Score (BCS) von über 6 gilt als Übergewicht. Die Grundprinzipien für eine Gewichtsreduktion sind bei Pferden mit oder ohne PPID gleich. In beiden Fällen muss die Energieaufnahme niedriger sein als der Energieverbrauch. 

Diese Punkte sind wichtig, wenn du einen Fütterungsplan für übergewichtige Pferde erstellst: 

  1. Reduziere die Energieaufnahme und erhöhe die Bewegung 
  2. Vermeide Futtermittel mit viel Zucker und Stärke (Getreide, junges Gras). Zucker und Stärke erhöhen den Insulinspiegel, fördern die Fetteinlagerung und bremsen die Fettverbrennung 
  3. Ziehe bei ausbleibendem Gewichtsverlust Levothyroxin-Natrium unter tierärztlicher Aufsicht in Betracht. Pferde, die Fettreserven behalten oder einen langsamen Stoffwechsel haben, können von diesem Medikament profitieren. 

💡 Praxisbeispiel: Ein Pony mit 250 kg Körpergewicht kann pro Woche maximal 1 % seines Körpergewichts verlieren, also 2,5 kg in der ersten Woche. Danach ist 0,5 % pro Woche ein sicheres Ziel. 

Fütterungsstrategie: Verwende Heunetze mit kleinen Maschen oder eine Fressbremse, um die Fresszeit zu verlängern und starke Hungerspitzen zu vermeiden. Optional kannst du dem Heu Stroh beimischen, um die Energiedichte zu senken. So ist dein Pferd länger mit Kauen beschäftigt und bleibt länger satt. Ältere Pferde mit Arthrose tun sich mit Heunetzen manchmal schwer. Sie fressen Heu am Boden oft lieber, um den Nacken zu entlasten. 

Ergänzungen: Ein Vitamin- und Mineralstoff-Balancer wie ESTE Balancer gleicht Mängel aus, die entstehen können, wenn dein Pferd hauptsächlich Raufutter frisst, und sorgt für eine vollständige und ausgewogene Ration. Steady&Stable von Curafyt enthält Berberis vulgaris und hilft dabei, das Gewicht zu erhalten und den Zuckerstoffwechsel zu regulieren

Muskelerhalt: Verwende Luzerne oder Body&Build von Curafyt für zusätzliches Protein und zur Unterstützung von Muskelmasse und Muskelaufbau. Proteine, besonders die Aminosäure Tyrosin, sind wichtig, weil sie helfen, die Muskelmasse zu erhalten und die Dopaminproduktion zu unterstützen, die bei PPID oft vermindert ist. Kombiniere das mit leichter, regelmäßiger Bewegung, um Muskelabbau zu begrenzen und den Stoffwechsel aktiv zu halten. 

2. Ernährung für untergewichtige Pferde mit PPID 

Die Bestimmung des BCS ist ein wichtiger Teil der klinischen Beurteilung, vor allem weil Untergewicht bei Pferden mit PPID manchmal schwerer zu erkennen ist. Hormonelle Veränderungen beeinflussen die Fettverteilung und den Muskelaufbau

Die Fütterung deines Pferdes sollte an die zugrunde liegenden Ursachen des Gewichtsverlusts angepasst werden: 

  • Zahnprobleme: Lass die Zähne kontrollieren und Probleme beim Kauen korrigieren, zum Beispiel Quidding (Futter fallen lassen). 
  • Parasiten: Pferde mit PPID können empfindlicher auf Parasiten reagieren. Reduziere die Parasitenbelastung daher mit einer strategischen Entwurmung alle 3-4 Monate. 
  • Soziale Rangordnung: Berücksichtige die Rangordnung bei der Fütterung. Rangniedrigere Pferde bekommen oft weniger Futter oder fressen durch Stress zu hastig. 
  • Muskelabbau: Die Aktivierung des Ubiquitin-Proteasom-Systems regt den Proteinabbau an. Es funktioniert wie eine Art „Recyclingmechanismus“: Es erkennt beschädigte oder alte Proteine und baut sie ab, damit der Körper sie wiederverwenden kann. Bei PPID ist dieses System durch die übermäßige Cortisolproduktion überaktiv. 

3. Ernährung bei PPID mit Insulindysregulation

Zusätzlich zum Fütterungsmanagement bei über- oder untergewichtigen Pferden erfordert die Kombination von PPID und Insulindysregulation besondere Aufmerksamkeit. Diese Kombination erhöht das Risiko für Hufrehe (durch hohe Insulinwerte) und erfordert eine strengere Kontrolle des Zuckergehalts in der Ernährung.

Wichtige Punkte für Pferde mit PPID und ID:

  • Lassen Sie alle 4–6 Monate einen oralen Zucker- oder Insulintoleranztest von Ihrem Tierarzt durchführen.
  • Begrenzen Sie Zucker und Stärke auf weniger als 10–12 % nicht-strukturelle Kohlenhydrate (NSC).
  • Analysieren Sie das Raufutter (z. B. Heu), um Zuckergehalt und Nährwert zu bestimmen.
  • Weichen Sie Heu 6 Stunden in kaltem Wasser oder 1–3 Stunden in warmem Wasser ein, um den Zuckergehalt zu reduzieren.
  • Bewegung verbessert die Insulinsensitivität. Bei Hufrehe sollte Bewegung nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt erfolgen.
  • Öl ist eine gute Energiequelle ohne Zucker oder Stärke und daher für Pferde mit Insulinproblemen sicher. EPA und DHA aus Öl haben entzündungshemmende Eigenschaften. PPID und Insulinresistenz stehen mit Entzündungen im Fettgewebe in Verbindung, die die Insulinsensitivität verschlechtern. Die Ergänzung von EPA und DHA aus hochwertigem Mikroalgenöl, wie in Grow & Glow von Curafyt, ist eine sinnvolle Ergänzung.

4. Ernährung nach Alter und Zahnzustand

Das Alter Ihres Pferdes spielt eine wichtige Rolle im Nährstoffbedarf. Ältere Tiere haben oft spezielle Herausforderungen wie Zahnprobleme oder eingeschränkte Beweglichkeit, die beeinflussen, wie sie Futter aufnehmen und verdauen.

Hier einige Ernährungstipps für ältere Pferde:

  • Ohne Zahnprobleme: langstieliges Raufutter
  • Bei starken Zahnproblemen: eingeweichte Rübenschnitzel oder Heupellets
  • Füttern Sie mindestens 1,5 % des Körpergewichts an Trockensubstanz pro Tag
  • Füttern Sie mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag (Faustregel: nie länger als 6 Stunden ohne Heu).
  • Wählen Sie zuckerarmes Futter, um Magengeschwüre zu vermeiden.
  • Luzernepellets sind eine gute Proteinquelle (ohne Melasse).

💡 Praktisches Beispiel: Wie viel Heu ist das für ein 500 kg Pferd? Das entspricht 7,5 kg Trockensubstanz. Heu enthält etwa 85 % Trockensubstanz. Unter Berücksichtigung dessen kann ein 500 kg Pferd etwa 8,8 kg Heu pro Tag erhalten.

Spezifische Ernährungselemente

Zusätzlich zu diesen allgemeinen Richtlinien gibt es einige Nährstoffe, die bei PPID besondere Aufmerksamkeit verdienen. Proteine, Vitamine, Mineralstoffe und Elektrolyte können direkt Muskelaufbau, Hormonbalance und Immunsystem beeinflussen.

  • Proteine: Dopamin wird aus Aminosäuren wie Tyrosin und Threonin gebildet. Dopamin ist notwendig, um das hormonelle Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das bei PPID gestört ist. Zusätzliches Lysin und Threonin (15–20 g/Tag) sind wichtig für den Muskelaufbau und helfen, Muskelabbau zu begrenzen.
  • Vitamine und Mineralstoffe: Es gibt keine speziellen Richtlinien für Vitamin- und Mineralstoffergänzungen bei PPID. Passen Sie sie in Absprache mit dem Tierarzt an Alter und Aktivität an.
  • Elektrolyte: Pferde mit PPID leiden häufig an Polyurie/Polydipsie (häufiges Trinken/Urinieren). Bieten Sie immer einen Salzleckstein an, um Verluste über Urin und Schweiß auszugleichen.
  • Immunsystem: Vitamin C kann die Immunfunktion und die Lungenfunktion verbessern.

Fazit

Ein Pferd mit PPID benötigt lebenslange Pflege und Aufmerksamkeit, besonders im Hinblick auf die Ernährung. Die richtige Fütterung hilft, das hormonelle Gleichgewicht zu unterstützen, den Blutzucker stabil zu halten und Muskelabbau zu begrenzen. Beobachten Sie regelmäßig Körperzustand, Alter, Zähne und Insulinwerte. Passen Sie die Ration an den Energiebedarf an und vermeiden Sie zucker- oder stärkehaltige Futtermittel.

Eine ausgewogene Ernährung in Kombination mit regelmäßiger tierärztlicher Kontrolle hilft, PPID-Symptome wirksamer zu managen. So bleibt Ihr Pferd länger aktiv, komfortabel und stabil.

Weitere Artikel

Is Your Horse’s Muscle Growth Stuck in First Gear?
Du hast Schwierigkeiten, die Oberlinie deines Pferdes aufzubauen, obwohl Training und Fütterung stimmen? Erfahre, warum mehr Eiweiß allein nicht ausreicht und wie gezielte Aminosäuren, Regeneration und ein ausgewogenes Nährstoffverhältnis echtes Muskelwachstum fördern.
March 06, 2025
Horse Nose Powder
Wenn du dein Pferd mit Ergänzungsfuttermitteln unterstützen möchtest, kommt es nicht nur auf die Inhaltsstoffe an – auch die Darreichungsform ist entscheidend. Ergänzungen gibt es in verschiedenen Formen: flüssig, als Pellets oder eben als Pulver. In diesem Blog erklären wir dir, warum Pulver eine besonders gute Wahl sind – und warum sie oft in hochwertigen, durchdacht formulierten Produkten verwendet werden.
April 22, 2025
What is PPID (Cushing’s) and how do I recognise and support my horse who has it?
PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction), auch als Cushing beim Pferd bekannt, ist eine Erkrankung der...
October 27, 2025
Is Your Horse Too Skinny?
Entdecken Sie die einfache Empfehlung vom Tierarzt, die untergewichtige Pferde transformiert. Sie haben schon alles...
November 27, 2024