Die Fütterung des modernen Sportpferds: Was die neueste Forschung wirklich sagt

Valérie De Clerck

Valérie De Clerck

Tierarzt

Zuletzt aktualisiert: 04/09/2025

Es gibt einen Grund, warum Spitzenreiter und Groomer so viel Wert auf die Ernährung ihres Pferdes legen, wenn es um Leistung geht. Ernährung ist niemals nur Nebensache; sie ist die Grundlage für optimale Gesundheit und Leistung.


Durch meine langjährige praktische Erfahrung als Pferdetierärztin habe ich immer wieder gesehen, wie schon kleine Entscheidungen bei der Fütterung die Muskelentwicklung, das Verhalten und die gesamte Widerstandskraft eines Pferdes deutlich beeinflussen können. Die Pferde, die wir heute betreuen, sind nicht einfach nur erfahrene Schulpferde, sondern leistungsstarke Athleten, die intensive Trainingspläne, Reisen, Klimastress und anspruchsvolle Wettkampfkalender bewältigen.


Und trotzdem wird Ernährung trotz der großen Fortschritte, die wir in der bildgebenden Diagnostik und der Gelenkpflege gemacht haben, noch immer oft als starre Routine behandelt, statt als das dynamische, evidenzbasierte Werkzeug, das sie sein sollte.


Genau deshalb habe ich mich, gestützt auf meine tägliche Arbeit mit Sportpferden und eine intensive Auswertung der neuesten peer-reviewten Forschung aus den vergangenen fünf Jahren, damit beschäftigt, was optimale Ernährung bei diesen Athleten wirklich ausmacht.


In diesem Artikel erkläre ich die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu, wie Ernährung Leistung und Regeneration beeinflusst: von der Art, wie Pferde Energie speichern und nutzen, bis hin zu dem, was Muskeln wirklich hilft, sich zu erholen, hydriert zu bleiben und mit Entzündungen umzugehen.

Die wichtigsten Tipps für vielbeschäftigte Pferdebesitzer, wie du dein Sportpferd fütterst :

  • Raufutter zuerst, in der richtigen Menge: Füttere Sportpferden täglich 2 – 2.5 % des Körpergewichts (TM) als hochwertiges Heu oder Heulage; das bildet die Grundlage für die Darmgesundheit, gleichmäßige Energie und alles, was darauf aufbaut. 
  • Nach der Arbeit schnell wieder auffüllen: Füttere Sportpferden innerhalb von 30 Minuten einen Fasermash mit Elektrolyten und schnellen Kohlenhydraten plus ein lysinreiches Protein (z. B. Body & Build), um die Glykogenspeicher aufzufüllen und die Muskelregeneration im entscheidenden Erholungsfenster von 4–6 h anzustoßen. 
  • Marine DHA für „saubere“ Ausdauer einsetzen: Ergänze ein zuckerfreies Algenöl wie Grow & Glow; es liefert Pferden im Sport langsam freigesetzte Energie, hilft dabei, Entzündungen entgegenzuwirken, und unterstützt Lunge und Gelenke. 
  • Ersetze, was dein Pferd durchs Schwitzen verliert: Biete immer loses Salz an, direkt nach der Arbeit mit deinem Pferd eine isotonische Elektrolytmischung und an heißen oder langen Tagen vor dem Ritt ein 8 L Getränk, damit Hydration und Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht bleiben. 
  • Gezielte Antioxidantien & Botanicals runden es ab: Natürliches Vitamin E (± CoQ10) und Kräuter wie Boswellia + Kurkuma sorgen in intensiven Turnierphasen für zusätzlichen Muskelschutz und gelenkschonenden Komfort ohne verbotene Substanzen. 

1. Die Grundlagen der Fütterung: Starte mit Raufutter 


Bevor wir in die neueste Forschung eintauchen, beginnen wir mit dem einen unverzichtbaren Grundsatz: Raufutter ist die Basis der Ernährung jedes Leistungspferdes. Kein Supplement und kein Kraftfutter kann einen Mangel an hochwertigem Raufutter ausgleichen. Raufutter unterstützt die Darmgesundheit, hält die Verdauung in Bewegung und liefert wichtige, langsam freigesetzte Energie. 

Für Sportpferde lautet die allgemeine Empfehlung, täglich 2,0–2,5 % des Körpergewichts an Raufutter zu füttern, berechnet auf Trockensubstanzbasis (DM). Beispiel – Pferd mit 500 kg: 

  • Ziel für die Trockensubstanzaufnahme: 10 bis 12,5 kg DM/Tag 
  • Bei Fütterung von Heu (typischerweise 85–90 % DM):  → Das entspricht etwa 11,5 bis 14,5 kg Frischgewicht 
  • Bei Fütterung von Heulage oder Silage (typischerweise 60–70 % DM):  → Du musst größere Mengen füttern, um die gleiche Trockensubstanzaufnahme zu erreichen) 


Sobald diese Raufutterbasis sicher steht, kannst du die Leistung mit gezielter Ernährung fein abstimmen: 

  • Die richtigen Energiequellen wählen (Kohlenhydrate vs. Fette) 
  • Die Proteinzufuhr für die Muskelregeneration richtig timen 
  • Verlorene Elektrolyte ersetzen 
  • Die Erholung mit Antioxidantien oder natürlichen entzündungshemmenden Substanzen unterstützen 

 

Vor diesem Hintergrund schauen wir uns an, was die aktuellste Forschung sagt und wie du das ganz praktisch im Stall umsetzen kannst. 

2. Kohlenhydrate & Glykogen: Energie nach der Arbeit wieder auffüllen 


Glykogen ist der wichtigste Energielieferant, den Pferde bei kurzer, intensiver Belastung wie Springen, Galoppieren oder versammelter Arbeit nutzen. Nach dem Training sind diese Energiespeicher geleert und müssen wieder aufgefüllt werden, damit sich dein Pferd gut erholen kann. 


Eine Studie aus dem Jahr 2021 (BMC Vet Res, 2021) zeigte, dass wir heute Ultraschall (anstelle von Muskelbiopsien) nutzen können, um zu überprüfen, wie viel Glykogen einem Pferd nach der Arbeit noch zur Verfügung steht. Dadurch wird es möglich, Fütterungsstrategien daran anzupassen, wie viel Energie dein Pferd tatsächlich verbraucht hat. 


Außerdem wissen wir inzwischen, dass Pferde länger als Menschen brauchen, um ihre Glykogenspeicher wieder aufzufüllen, was bedeutet, dass sie mehr Erholungszeit benötigen.  Wir wissen auch, dass die ersten 4 bis 6 Stunden nach der Belastung am wichtigsten sind. Wenn du in dieser Zeit eine Kombination aus leicht verdaulichen Kohlenhydraten (wie eingeweichten Rübenschnitzeln oder einer kleinen Getreideration) und hochwertigem Protein (Body & Build) fütterst, kann das die Erholung beschleunigen und helfen, das Energielevel für die nächste Einheit zu erhalten. 


Tipp vom Tierarzt: Gib deinem Pferd innerhalb von 30 Minuten nach der Belastung einen eingeweichten Mash oder ein faserbasiertes Futter mit Elektrolyten und Protein (Body & Build) und anschließend 1–2 Stunden später eine ausgewogene Mahlzeit. Das unterstützt eine schnellere Erholung und eine bessere langfristige Leistungsfähigkeit. 

3. Protein & Aminosäuren: Unterstützung für die Muskelregeneration


Die Muskelregeneration nach dem Training hängt von mehr ab als nur davon, wie viel Protein ein Pferd frisst — entscheidend sind der Typ des Proteins und die Aminosäuren, die es liefert. Eine Studie aus dem Jahr 2022 (frontiersin.org) verglich Luzernepellets mit einem hochwertigen Protein-Supplement (ähnlich wie Body&Build) bei gesunden Pferden und bei Pferden mit Insulinproblemen. 


Die Pferde, die das Supplement erhielten, hatten doppelt so viele essenzielle Aminosäuren im Blut, und ihre Muskeln zeigten stärkere Signale für den Wiederaufbau, ohne dass der Insulinspiegel auf gefährliche Werte anstieg (selbst bei insulinresistenten Pferden). Eines dieser Signale, genannt mTOR, spielt eine wichtige Rolle dabei, dem Körper zu signalisieren, Muskeln zu reparieren und aufzubauen. 


Tierarzt-Tipp: Gib deinem Pferd nach dem Training eine Proteinquelle, die reich an wichtigen Aminosäuren wie Lysin und Methionin ist, besonders wenn es Oberlinie aufbauen soll. Auch Pferde mit Stoffwechselproblemen können davon profitieren, solange das Protein hochwertig sowie stärkearm und zuckerarm ist. 

4. Fette & Omega-3: Langsam freigesetzte Energie


Omega-3-Fettsäuren sind eine wertvolle Quelle für langsam freigesetzte Energie, was besonders wichtig für Sportpferde ist, die bei längeren Trainingseinheiten oder an Turniertagen eine gleichmäßige Energieversorgung brauchen. Doch ihre Vorteile gehen weit über Energie hinaus: Omega-3-Fettsäuren helfen auch Entzündungen entgegenzuwirken, die Gelenke zu schützen und die Regeneration insgesamt zu unterstützen, was sie zu einer sinnvollen Ergänzung in der Fütterung jedes Leistungspferdes macht.  


Eine Studie aus dem Jahr 2021 (sciencedirect.com) zeigte, dass die Fütterung von DHA und EPA aus marinen Quellen zu einem deutlichen Anstieg der Omega-3-Werte im Blut führte und damit bestätigt, dass diese Nährstoffe schnell aufgenommen und vom Körper genutzt werden.  


Eine Studie aus dem Jahr 2013 von Dr. Nora Nogradi zeigte, dass die Ergänzung mit DHA bei Pferden zu einer besseren Lungengesundheit führte und damit ihren Wert in der Ernährung von Leistungspferden unterstreicht. 


Unser Grow&Glow Supplement liefert DHA aus Algenöl, ganz ohne zugesetzten Zucker, und ist damit ideal für Pferde, die Unterstützung für ihre Energie brauchen, ohne den Stoffwechsel oder die Verdauungsgesundheit aus dem Gleichgewicht zu bringen. 


Tierärztlicher Tipp: Die Ergänzung einer hochwertigen marinen DHA-Quelle wie Grow&Glow kann die Ausdauer, den Gelenkkomfort und die Regeneration deines Pferdes unterstützen und sorgt gleichzeitig für eine gleichmäßige, nachhaltig verfügbare Energiekurve. 

5. Elektrolyte & Hydration: um das Kühlsystem deines Pferdes zu unterstützen


Hitze, Reisen und harte Arbeit bringen das Kühlsystem eines Sportpferds schnell auf Hochtouren. Wenn die Körpertemperatur steigt, sind Schwitzen und schnelle Atmung die ersten Abwehrmechanismen, doch das hat seinen Preis: ein hoher Verlust an Wasser und wichtigen Mineralstoffen. Ohne einen guten Hydrationsplan kann ein Pferd dehydrieren, was die Leistung mindert, die Reaktionszeit verlangsamt und das Verletzungsrisiko für Pferd und Reiter erhöht. 


Aktuelle Forschung macht zwei Punkte glasklar: 


  1. Hypotone Elektrolytmischung statt nur Wasser  Ein Review aus dem Jahr 2022 in Veterinary Sciences (mdpi.com) zeigte, dass hypotone Elektrolytmischungen, also Formeln, die die exakten Mineralstoffverhältnisse im Schweiß nachbilden, den Magen schneller verlassen und im Dünndarm schneller aufgenommen werden als pures Wasser oder reines Salz. 
  2. Starte hydriert, bleib hydriert.  Eine Studie aus dem Jahr 2023 (mdpi.com) in Animals ergab, dass die Gabe von etwa 8 Litern eines ausgewogenen Elektrolytgetränks eine Stunde vor moderater Belastung den Blut-pH-Wert und die Herzfrequenz von Pferden stabiler hielt und so die leichte Alkalose verhinderte, die nach Arbeit unter warmen Bedingungen häufig auftritt. 


Praktische Checkliste
 :


  • Salz zur freien Verfügung: Halte rund um die Uhr einfaches, loses Salz bereit; die meisten Pferde regulieren ihren Grundbedarf selbst. 
  • Nach der Arbeit: Biete innerhalb von 30 Minuten nach dem Training 0.5–1 L einer isotonischen Elektrolytmischung pro 100 kg Körpergewicht an, um die Rehydrierung anzustoßen. 
  • Vorab an heißen oder intensiven Tagen: Gib bei Ausritten von mehr als 60 Minuten oder wenn die Temperaturen über 25 °C steigen 60–90 Minuten vor der Arbeit ein Elektrolytgetränk (≈ 8 L für ein 500-kg-Pferd). 
  • Den Trinkreflex trainieren: Manche Pferde brauchen Geduld und Übung, um aromatisierte Elektrolytlösungen zu trinken. Fang in ruhiger Umgebung an, damit dein Pferd sie als sicher wahrnimmt. 
  • Wasser zuerst, Wasser zuletzt: Kombiniere Elektrolyte immer mit unbegrenzt verfügbarem frischem Wasser. Ein gut hydriertes Pferd ist ein gesünderer, sichererer Athlet. 

6. Vitamin E: So holst du das Beste aus diesem wichtigen Antioxidans heraus


Vitamin E wirkt wie ein „Rostschutz“ für die Muskeln deines Pferdes und fängt die freien Radikale ab, die sich bei harter Belastung ansammeln. Eine Studie aus dem Jahr 2021 (MDPI Antioxidants, 2021) in Antioxidants zeigte, dass die Gabe von Vitamin E aus natürlicher Quelle (1.8 IE pro kg Trockenfutter) über nur zwei Wochen, mit oder ohne CoQ10, Marker für Muskelschäden nach dem Training senkte, ohne die Trainingseffekte zu beeinträchtigen. 


Aber nicht jedes Vitamin E wird gleich gut aufgenommen. Eine Studie aus dem Jahr 2020 (ScienceDirect, 2020) in JEVS zeigte, dass natürliches Vitamin E den α-Tocopherol-Spiegel im Blut deutlich stärker erhöhte als die synthetische Form, selbst wenn beide in derselben Dosierung gefüttert wurden. 


Tierarzt-Tipp: Wähle ein Vitamin-E-Präparat aus natürlicher Quelle , um deinem Sportpferd einen stärkeren antioxidativen Schutz zu geben, ohne zusätzliche Stärke oder Zucker hinzuzufügen. 

7. Phytochemikalien & Neue Wirkstoffe


Eine Studie aus dem Jahr 2023 in Life (mdpi.com) gab Springpferden nur 10 Tage lang eine Kräutermischung aus Boswellia serrata (Weihrauch), Curcuma longa (Kurkuma) und Verbascum thapsus (Königskerze). Bluttests zeigten zwei klare Vorteile: 

  1. Höhere antioxidative Kapazität: Die Körper der Pferde konnten den durch Bewegung entstehenden „Freie-Radikale-Rost“ besser neutralisieren. 
  2. Niedrigere Entzündungssignale: wichtige proinflammatorische Gene (TLR4 und IFN-γ) wurden herunterreguliert. 

Was das für dich bedeutet: Diese Pflanzenstoffe können Gelenke und Regeneration unterstützen und sind damit eine praktische Ergänzung in intensiven Turnierphasen oder für Pferde, die zwischen den Ritten extra Komfort brauchen. 

Fazit : Wenn Reiter mehr verlangen, muss die Ernährung mitziehen


Reiter und Trainer verlangen dem Körper ihrer Pferde viel ab, und die Wissenschaft ist eindeutig: Diese Anforderungen zu erfüllen, beginnt in der Futterkammer. Starte mit reichlich hochwertigem Raufutter (2.0–2.5 % BW DM), um die Darmgesundheit zu schützen und gleichmäßige Energie bereitzustellen. Fülle die Glykogenspeicher direkt nach der Arbeit wieder auf, liefere lysinreiches Protein für die Muskelregeneration, und ergänze marines DHA als langsam verfügbare Energiequelle und zur Unterstützung der Gelenke. Gleiche Schweißverluste mit hypotonischen Elektrolyten aus, schütze die Muskulatur mit Vitamin E aus natürlicher Quelle (± CoQ10), und setze Pflanzenstoffe wie Boswellia und Kurkuma für eine entzündungsmodulierende Unterstützung ohne Medikamente ein. Keines dieser Mittel ersetzt gutes Training oder gutes Management, aber sie holen aus beidem den vollen Nutzen heraus. Füttere mit Plan, verfolge die Ergebnisse, und dein Pferd wird dir deine Sorgfalt mit mehr Leistung, Widerstandskraft, und vielen Jahren belastbarer Arbeit zurückgeben.

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