Sind Hunde wirklich farbenblind?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hunde sind dichromatisch, nicht farbenblind: Sie haben zwei Zapfentypen statt unserer drei, daher sehen sie Blau und Gelb klar, können Rot und Grün aber nur schwer voneinander unterscheiden.
  • Von Fachleuten begutachtete Studien zur Netzhaut zeigen, dass die Zapfenzellen von Hunden am stärksten auf blau-violettes und gelblich-grünes Licht reagieren, weshalb Rot und Grün beide als ähnliche gräuliche oder gelbliche Farbtöne wahrgenommen werden.
  • Hunde gleichen ihren eingeschränkteren Farbbereich mit einer stäbchendominierten Netzhaut, einem reflektierenden Tapetum lucidum und größeren Pupillen aus, was ihnen ein deutlich stärkeres Nacht- und Bewegungssehen als Menschen verleiht.
  • Wenn du blaues oder gelbes Spielzeug und Trainingshilfen wählst, kann ein Hund Signale schneller erkennen, da sich gezeigt hat, dass Farbe für Hunde wichtiger ist als allein die Helligkeit.
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    Viele Menschen denken, dass Hunde farbenblind sind, aber das stimmt nicht, zumindest nicht ganz. Obwohl Hunde nicht vollständig farbenblind sind, sehen sie die Welt anders als wir Menschen. Wir Menschen haben drei Arten von Farbrezeptoren in unseren Augen. Du kannst dir Farbrezeptoren wie Zapfen vorstellen. Hunde haben nur zwei davon, deshalb ist ihr Farbsehen eingeschränkter.

    Wie hat man herausgefunden, dass Hunde nicht farbenblind sind?

    Wissenschaftler haben durch Experimente zum Farbsehen herausgefunden, dass Hunde nicht vollständig farbenblind sind. Hunde können also durchaus bestimmte Farben sehen. Forschende trainierten Hunde darauf, Objekte anhand ihrer Farbe zu erkennen und auszuwählen. Dabei zeigte sich, dass Hunde Blau zuverlässig von Gelb unterscheiden konnten, mit Rot und Grün aber Schwierigkeiten hatten [1]. Indem gemessen wurde, wie Zellen in der Netzhaut auf verschiedene Lichtwellenlängen reagieren, konnten Wissenschaftler bestimmen, welche Farben Hunde sehen können. Zurückzuführen ist das auf zwei Zapfentypen, die auf blau-violettes und gelblich-grünes Licht abgestimmt sind [2].

    Farben, die Hunde tatsächlich sehen können

    Hunde sind also nicht farbenblind. Sie sehen Farben einfach anders. Mit zwei Farbrezeptoren statt drei umfasst ihr Farbspektrum vor allem Blau, Violett und Gelb. Rot wirkt auf sie etwas gelblich, Grün wird kaum wahrgenommen und Lila erscheint grau.

    Menschen können zwischen sieben und zehn Millionen verschiedene Farben unterscheiden, mehr, als wir überhaupt benennen können. Hunde arbeiten mit einer deutlich kleineren Palette: Blau, Gelb und einer Reihe von Grautönen von Creme bis hin zu Schwarz und Weiß. Was ihnen an Farbumfang fehlt, machen sie bei der Bewegungserkennung wett.

    • Blau: erscheint blau, ganz ähnlich wie für uns.
    • Gelb: erscheint gelb, ganz ähnlich wie für uns.
    • Rot: wirkt vermutlich dunkelgrau oder braun.
    • Grün: erscheint ebenfalls als gräulicher Farbton.

    Gut zu wissen

    Hunde haben zwei farbempfindliche Zapfentypen statt unserer drei, abgestimmt auf blau-violettes und gelblich-grünes Licht. Was ihnen beim Farbumfang fehlt, gewinnen sie bei der Lichtempfindlichkeit in der Dämmerung: eine von Stäbchen dominierte Netzhaut, die darauf ausgelegt ist, Bewegungen auch lange nach Sonnenuntergang noch gut wahrzunehmen [2][3].

    Welche Farben kann ein Hund nicht sehen?

    Aufgrund der begrenzten Anzahl an Zapfen in ihren Augen können Hunde Rot und Grün nicht so sehen wie wir. Stattdessen verschmelzen beide Farben zu ähnlichen Gelb- oder Grautönen. Blau und Lila dagegen werden klar wahrgenommen.

    Was sehen Hunde, was wir nicht sehen können?

    Neben Farben haben Hunde im Dunkeln einen echten Vorteil: Sie sehen nachts deutlich besser als Menschen, dank des Tapetum lucidum [3]. Diese lichtreflektierende Zellschicht liegt direkt hinter oder manchmal auch innerhalb der Netzhaut und wirft verfügbares Licht für einen zweiten Durchgang zu den Fotorezeptoren zurück. Das ist auch ein Grund, warum Bewegungen und Formen für einen Hund nach Sonnenuntergang klarer hervortreten als für uns.

    Wie beeinflusst Farbenblindheit das Verhalten?

    Farben beeinflussen auch, wie Hunde mit ihrem Spielzeug umgehen. Blaues und gelbes Spielzeug hebt sich viel stärker ab als rotes oder grünes, deshalb fühlen sich Hunde oft ganz ohne Training stärker davon angezogen. Forschungen bestätigen das: Farbsignale sind für Hunde aussagekräftiger als Helligkeit allein, zumindest bei normalen Tageslichtbedingungen [4].

    Dasselbe gilt fürs Training. Wählst du Farben, die dein Hund klar erkennen kann, kommen Signale schneller an.

    Warum haben Hunde ein eingeschränkteres Farbsehen entwickelt?

    Dieses eingeschränktere Farbsehen war kein Nachteil. Hunde entwickelten sich vor allem als Jäger in der Dämmerung, und ihre Sicht ist nicht auf Farbe, sondern auf Bewegung und Kontrast optimiert, was ihnen hilft, Beute bei wenig Licht effektiver zu erkennen [3]. Außerdem haben sie deutlich mehr Stäbchen in ihrer Netzhaut als wir, also lichtempfindliche Zellen, die eher Helligkeit als Farbe wahrnehmen. Das ist mit ein Grund, warum Hunde besser sehen als Menschen, sobald die Sonne untergeht.

    Gibt es Brillen oder Technologien, die Hunden beim Sehen helfen können?

    Es gibt einige Technologien und Hilfsmittel, die das Sehvermögen von Hunden verbessern oder anpassen können, auch wenn sie nicht dieselbe Wirkung haben wie Brillen gegen Farbenblindheit beim Menschen. Hier sind ein paar Beispiele:

    1. Doggles (Hundebrillen)
      • Das sind spezielle Sonnenbrillen für Hunde, die Schutz vor hellem Sonnenlicht, UV-Strahlen und Wind bieten. Sie sind besonders nützlich für Arbeitshunde wie Polizei- oder Rettungshunde und für Hunde mit Augenproblemen wie Katarakten.
    2. Farbfilternde Brillen
      • Obwohl es keine Brillen gibt, die das Farbsehen von Hunden vollständig korrigieren, wird mit Brillen experimentiert, die bestimmte Lichtwellenlängen herausfiltern, um Kontraste zu verbessern. Das kann Hunden helfen, bestimmte Farben oder Objekte besser zu unterscheiden.
    3. Nachtsichttechnologie
      • Hunde sehen ohnehin gut im Dunkeln, aber einige Forschende haben mit Infrarotkameras oder Brillen experimentiert, mit denen Hunde bei völliger Dunkelheit noch besser sehen können.
    4. Bionische Augen
      • Es wird an bionischen Implantaten für Hunde mit schweren Augenerkrankungen wie Katarakten oder Blindheit geforscht. Diese Technologien befinden sich noch in der experimentellen Phase.

    Haben Hunde eine bessere Nachtsicht als Menschen?

    Ja. Hunde sehen im Dunkeln deutlich besser als Menschen, dank einer Reihe evolutionärer Anpassungen [3]:

    • Tapetum lucidum: eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, die Licht durch sie zurückwirft. Das hilft Hunden, bei wenig Licht besser zu sehen, und verleiht ihren Augen dieses typische Leuchten im Dunkeln.
    • Mehr Stäbchen in der Netzhaut: Stäbchen sind lichtempfindliche Zellen, die das Sehen bei Dunkelheit unterstützen. Hunde haben mehr davon als Menschen, was ihnen hilft, sich bei wenig Licht besser zu orientieren.
    • Größere Pupillen: Hunde können ihre Pupillen stärker erweitern als Menschen, wodurch mehr Licht einfällt und sie Objekte im Dunkeln besser erkennen können.

    Dank dieser Eigenschaften können Hunde nachts und in der Dämmerung viel besser sehen als wir. Das ist besonders nützlich für ihren Jagdinstinkt und ihren Orientierungssinn.

    Was bedeutet das für Hundebesitzer?

    Wenn du Spielzeug oder Trainingszubehör für deinen Hund auswählst, solltest du sein Farbsehen im Hinterkopf behalten. Blaues und gelbes Spielzeug sticht am meisten hervor, während rote und grüne Gegenstände eher gräulich wirken und schwerer zu unterscheiden sind.

    Dein Hund hat bei Spaziergängen in der Nacht auch einen Vorteil: Während du Schwierigkeiten hast, Objekte zu erkennen, kann dein Hund sich problemlos orientieren. Das liegt an seiner hervorragenden Nachtsicht und seinem guten Gespür für Bewegung.

    Fazit: Sind Hunde farbenblind?

    Auch wenn Hunde die Welt nicht in derselben vollen Farbpalette sehen wie Menschen, macht sie das nicht farbenblind. Ihr Farbbereich ist schmaler, aber Blau und Gelb erkennen sie besonders gut. Und was ihnen bei Farben fehlt, gleichen sie mit scharfer Nachtsicht und einem ausgeprägten Blick für Bewegung aus. Diese Kombination erklärt, warum ein Spielzeug in der richtigen Farbe zuerst gewählt wird, warum ein gut gewähltes Trainingssignal schneller verstanden wird und warum dein Hund auch nach Einbruch der Dunkelheit noch sicher seinen Weg durch den Garten findet.

    Quellen

    [1] Neitz, J., Geist, T., & Jacobs, G.H. (1989). Color vision in the dog. Visual Neuroscience, 3(2), 119-125. https://doi.org/10.1017/S0952523800004430

    [2] Jacobs, G.H., Deegan, J.F., Crognale, M.A., & Fenwick, J.A. (1993). Photopigments of dogs and foxes and their implications for canid vision. Visual Neuroscience, 10(2), 173-180. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8424924/

    [3] Miller, P.E., & Murphy, C.J. (1995). Vision in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association, 207(12), 1623-1634. https://avmajournals.avma.org/view/journals/javma/207/12/javma.1995.207.12.1623.xml

    [4] Kasparson, A.A., Badridze, J., & Maximov, V.V. (2013). Colour cues proved to be more informative for dogs than brightness. Proceedings of the Royal Society B, 280(1766), 20131356. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3730601/

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