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Warum nimmt mein Pferd ab? Die 5 tierärztlichen Schritte, um die Ursache zu bestimmen.
Warum nimmt mein Pferd ab? Die 5 tierärztlichen Schritte, um die Ursache zu bestimmen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Tierärzte untersuchen ein zu dünnes Pferd in einer festen Reihenfolge und beginnen mit einer allgemeinen klinischen Untersuchung, bei der Körperkonditionswert, Zähne, Kot, Bewegung und Atmung geprüft werden, bevor Laboruntersuchungen folgen.
- Eine Kotprobe und die Entwurmungshistorie helfen dabei festzustellen, welche Parasiten, wie kleine Strongyliden, große Strongyliden, Spulwürmer oder Bandwürmer, den Gewichtsverlust verursachen könnten.
- Zahnprobleme sind eine häufige und oft übersehene Ursache. Haken, ungleichmäßiger Abrieb, lockere oder fehlende Zähne und Wurzelinfektionen können das Kauen so schmerzhaft machen, dass ein Pferd sein Futter nicht richtig verwerten kann.
- Wenn Fütterung, Parasiten und Zähne als Ursache ausgeschlossen wurden, geben Bluttests und bei Bedarf eine Gastroskopie einen genaueren Einblick in Verdauung, Stoffwechsel, Entzündungen oder Magengeschwüre.
Wenn dein Pferd zu dünn ist, gibt es immer einen Grund. Von außen ist dieser aber nicht immer sichtbar, deshalb geht dein Tierarzt den Fall Schritt für Schritt durch. Zuerst kommen die einfachen, häufigen Ursachen: Parasiten, Zahnprobleme, Futterqualität. Erst wenn diese ausgeschlossen sind, geht die Suche weiter in die Tiefe, mit Bluttests und, falls nötig, einer Gastroskopie, um in den Magen zu schauen. Dieser Artikel erklärt, wie diese systematische Abklärung Test für Test aufgebaut wird und wonach dabei jeweils tatsächlich gesucht wird. Wenn du die Reihenfolge verstehst, kannst du mit deinem Tierarzt zusammenarbeiten, statt einfach nur auf Antworten zu warten.
Schritt 1: Allgemeine klinische Untersuchung
Bei einem zu dünnen Pferd beginnt dein Tierarzt mit einer allgemeinen klinischen Untersuchung. Dein Pferd wird von Kopf bis Schweif untersucht, mit besonderem Augenmerk auf den Body-Condition-Score (BCS), die Zähne, den Kot, die Bewegung des Pferdes und seine Atmung. Deine Schilderung der Vorgeschichte des Pferdes ist dabei genauso wichtig wie die Untersuchung selbst: Wie lange ist das Pferd schon zu dünn, hat sich sonst noch etwas verändert (Durchfall, Husten, Lethargie, verändertes Verhalten, Kolik), und wie sieht die aktuelle Fütterung aus.
Auf Grundlage dieser ersten Untersuchung entscheidet dein Tierarzt, welche zusätzlichen Tests sinnvoll sind. Oft bedeutet das eine Kotuntersuchung auf Parasiten, Bluttests zu Organfunktion, Entzündungen, Eiweißwerten und Hormonen und, wenn die Symptome darauf hindeuten, eine Gastroskopie, um direkt in den Magen zu schauen. Schritt für Schritt ergibt sich so ein vollständiges Bild davon, warum der Gewichtsverlust passiert.
Schritt 2: Entwurmung und Kotuntersuchung
Ein wichtiger Schritt bei der Abklärung eines zu dünnen Pferdes ist die Entnahme und Analyse einer Kotprobe, zusammen mit der Überprüfung der Entwurmungshistorie. Dein Tierarzt prüft, wann das Pferd zuletzt entwurmt wurde und welches Produkt verwendet wurde, denn manche Wurmpopulationen haben Resistenzen gegen bestimmte Entwurmungsmittel entwickelt, wodurch diese deutlich weniger wirksam sind, als es das Etikett verspricht. Deshalb wird die Kotprobe trotzdem unter dem Mikroskop untersucht, um zu bestätigen, ob trotz der Behandlung tatsächlich Parasiten vorhanden sind. Diese Kotuntersuchung zeigt deinem Tierarzt auch, welche Wurmarten beteiligt sind. Vier Parasiten sind für den Großteil des parasitenbedingten Gewichtsverlusts bei Pferden verantwortlich.

Kleine Strongyliden (Cyathostominae)
Kleine Strongyliden sind die häufigsten Parasiten bei erwachsenen Pferden. Sie ernähren sich von Blut und Gewebsflüssigkeit in der Darmwand und verursachen chronische leichte Blutungen. Ihre Larven können monatelang ruhend in der Darmwand sitzen und dann plötzlich in großer Zahl gleichzeitig schlüpfen; dieses massenhafte Auftreten löst Entzündungen, Durchfall, Koliken und Gewichtsverlust aus. Regelmäßige Kotuntersuchungen und ein Entwurmungsplan auf Basis von Resistenztests sind essenziell [1].
Große Strongyliden
Große Strongyliden sind heute seltener, dank jahrzehntelanger routinemäßiger Entwurmung, aber sie sind weiterhin ernst zu nehmen, wenn sie auftreten. Ihre Larven wandern durch Blutgefäße auf dem Weg zum Darm, eine Reise, die Blutgerinnsel und bleibende Darmschäden auslösen kann [1].
Spulwürmer (Askariden)
Spulwürmer betreffen vor allem Fohlen und junge Pferde. Sie leben im Dünndarm, und ein starker Befall kann Verstopfungen und Koliken verursachen. Ein aufgeblähter Bauch, stumpfes Fell und langsames Wachstum sind die klassischen Anzeichen [2].
Bandwürmer
Bandwürmer heften sich am ileozökalen Übergang an, wo der Dünndarm auf den Blinddarm trifft, und können dort die Darmwand und ihre Nervenversorgung schädigen. Das Ergebnis sind Verdauungsprobleme und ein langsamer, stetiger Gewichtsverlust [3].
Auf Grundlage der Kotuntersuchung erstellt dein Tierarzt einen individuellen Entwurmungsplan. Pferde, die viel grasen oder oft mit anderen Pferden zusammenkommen, profitieren am meisten von einem strategischen, maßgeschneiderten Plan statt von einer festen Entwurmung nach Kalender.
Schritt 3: Zahnkontrolle
Eine gründliche Zahnkontrolle ist ein wesentlicher Teil der Untersuchung eines dünnen Pferdes. Wenn ein Pferd nicht richtig kauen kann, kann es das Futter vor ihm nicht gut verwerten, egal wie gut dieses Futter ist.
Die Zähne eines Pferdes wachsen kontinuierlich, und es braucht eine gleichmäßige Aufnahme von Fasern, damit sie sich gleichmäßig abnutzen. Ohne genug Raufutter nutzen sich die Zähne ungleichmäßig ab, und es können scharfe Kanten oder Haken entstehen, die das Kauen so schmerzhaft machen, dass es allein schon zu Gewichtsverlust führen kann. Ältere Pferde haben hier eine zusätzliche Belastung: Viele haben bereits teilweise abgenutzte oder fehlende Backenzähne, zermahlen Raufutter daher weniger fein und nehmen weniger davon auf, was ein sehr häufiger Grund dafür ist, dass Pferde im späteren Leben dünn werden oder bleiben [4].

Das sind die häufigsten Zahnprobleme, nach denen ein Tierarzt bei dünnen Pferden sucht:
- Haken an den Backenzähnen: verursachen Schmerzen beim Kauen und erschweren es, Raufutter richtig zu zermahlen.
- Wellengebiss / Stufengebiss: entsteht durch ungleichmäßigen Abrieb und verringert die Kaugeffizienz.
- Lockere oder fehlende Zähne: Pferde haben weniger Halt beim Futter.
- Zahnkappen bei jungen Pferden: Milchzähne, die zu lange sitzen bleiben und das Kauen behindern.
- Diastemata (Lücken zwischen den Backenzähnen): Futter bleibt hängen und verursacht Schmerzen und Entzündungen.
- Gebrochene oder gespaltene Backenzähne: verursachen akute Schmerzen und die Verweigerung von hartem Futter.
- Wurzelinfektionen: verursachen starke Schmerzen und schlechten Appetit.
- Ungleichmäßiger Abrieb durch EOTRH (besonders bei älteren Pferden): eine schmerzhafte Erkrankung der Schneide- und Hengstzähne, die das Abbeißen von Futter unangenehm machen kann [5].
Lass die Zähne deines Pferdes mindestens einmal im Jahr kontrollieren, bei dünnen oder älteren Pferden zweimal im Jahr. Regelmäßige Kontrollen erkennen Zahnprobleme, bevor sie dein Pferd Kondition kosten.
Schritt 4: Blutuntersuchungen
Sobald die offensichtlichen Ursachen, Ernährung, Parasiten, Zahnprobleme, ausgeschlossen wurden, geht dein Tierarzt zu Blutuntersuchungen über.

Das Blut wird an ein akkreditiertes Labor geschickt. Die zurückkommenden Werte können deinen Tierarzt auf Probleme mit der Verdauung, dem Stoffwechsel oder auf Entzündungen irgendwo im Körper hinweisen, oft lange bevor diese Probleme äußerlich sichtbar werden.
Ein begleitender Artikel auf dieser Seite geht genauer darauf ein, welche Blutwerte wichtig sind und was sie über dein dünnes Pferd verraten können.
Schritt 5: Gastroskopie
Manchmal muss dein Tierarzt direkt in den Magen schauen, um nach Geschwüren oder anderen Problemen zu suchen. Diese Untersuchung nennt man Gastroskopie.
Dieser Test wird oft empfohlen, wenn dein (dünnes) Pferd auch eines oder mehrere dieser Anzeichen zeigt:
- häufiges Gähnen
- Zähneknirschen
- Empfindlichkeit beim Nachgurten
- ein stumpfes Fell
- regelmäßige (leichte) Koliken
- aufgezogener Bauch
Bei einer Gastroskopie wird ein dünner, flexibler Schlauch mit einer kleinen Kamera durch das Nasenloch in den Magen eingeführt. Eine leichte Sedierung hält das Pferd ruhig und still. Auf dem Bildschirm untersucht der Tierarzt die Magenschleimhaut direkt und in Echtzeit.

Gut zu wissen
Magengeschwüre kommen häufig genug vor, dass Gastroskopie-Untersuchungen bei ruhenden Vollblut- und Standardbred-Rennpferden, also Pferden, die zu diesem Zeitpunkt nicht im Training waren, bei etwa 37 bis 56 Prozent von ihnen Geschwüre gefunden haben, selbst ohne offensichtliche Symptome [6].
Unter anderem wird der Tierarzt auf Folgendes achten:
- Magengeschwüre (rote oder gereizte Stellen, manchmal blutend)
- Drüsige Magengeschwüre (Geschwüre nahe dem Magenausgang)
- Entzündete oder verdickte Bereiche der Magenwand
- Übermäßiger Schleim oder Futterreste
- Narben oder andere Auffälligkeiten
Magengeschwüre und Darmentzündungen verringern den Appetit, machen das Fressen unangenehm und beeinträchtigen die Nährstoffaufnahme. Mit der Zeit zeigt sich das durch einen allmählichen Muskelabbau und ein stumpferes Fell.
Eine Gastroskopie ist die einzige Möglichkeit, die Magenschleimhaut direkt zu sehen, und dieser direkte Blick zeigt zusammen mit den klinischen Anzeichen des Pferdes, welche Behandlung tatsächlich passt [6].
Kurz gesagt
Wenn dein Pferd abnimmt oder trotz gutem Futter einfach nicht zunimmt, gibt es immer einen Grund. Parasiten, Zahnprobleme, innere Erkrankungen und Magengeschwüre sind die häufigsten Ursachen.
Am besten gehst du systematisch vor: mögliche Ursachen Schritt für Schritt ausschließen, statt zu raten. Mit der richtigen Diagnose und der passenden Behandlung gewinnen die meisten Pferde innerhalb weniger Monate wieder an Substanz. Eine gute Ernährung erledigt den Rest, sobald die zugrunde liegende Ursache unter Kontrolle ist.
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[1] Khan, A., et al. (2015). Strongylose bei Equiden: ein Überblick. Journal of Animal and Plant Sciences, 25(1), 1-9. Studie lesen
[2] Cain, J.L., & Nielsen, M.K. (2022). Spulwürmer beim Pferd: historische Modellorganismen für moderne Zwecke wiederbeleben. Parasitology Research, 121(10), 2775-2791. Studie lesen
[3] Pavone, S., Veronesi, F., Piergili Fioretti, D., & Mandara, M.T. (2010). Pathologische Veränderungen, die durch Anoplocephala perfoliata in der Mukosa/Submukosa und im enterischen Nervensystem des ileozökalen Übergangs beim Pferd verursacht werden. Veterinary Research Communications. Studie lesen
[4] Graham, B.P. (2002). Zahnpflege beim älteren Pferd. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 18(3), 509-522. Studie lesen
[5] Staszyk, C., Bienert, A., Kreutzer, R., Wohlsein, P., & Simhofer, H. (2008). Odontoklastische Zahnresorption und Hyperzementose beim Pferd. The Veterinary Journal, 178(3), 372-379. Studie lesen
[6] Vokes, J., Lovett, A., & Sykes, B.W. (2023). Equines Magengeschwürsyndrom: ein Update zum aktuellen Wissensstand. Animals, 13(7), 1261. Studie lesen
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