Ein umfassender Bluttest kann innere Ungleichgewichte oder Erkrankungen sichtbar machen, die von außen nicht zu erkennen sind, aber trotzdem großen Einfluss darauf haben, wie der Körper deines Pferdes Nährstoffe verwertet. Im Folgenden erklären wir die wichtigsten Blutwerte, die dein Tierarzt untersucht, und was jeder einzelne Wert über die Gesundheit und das Gewicht deines Pferdes verraten kann.
Blutwerte, die dein Tierarzt überprüft
Großes Blutbild
Eine niedrige Zahl roter Blutkörperchen (Anämie) bedeutet, dass weniger Sauerstoff zu den Muskeln transportiert wird, was zu Müdigkeit und einem schlechten Allgemeinzustand führt. Eine hohe Zahl weißer Blutkörperchen weist auf eine Infektion oder Entzündung hin, wodurch Nährstoffe von Wachstum und Regeneration abgezogen werden. Chronische Entzündungen können nach und nach zu Gewichtsverlust führen, selbst wenn die Kalorienzufuhr ausreichend ist.

Gesamtprotein und Albumin
Niedrige Werte deuten auf eine schlechte Proteinaufnahme oder eine chronische Erkrankung hin. Das kann passieren, wenn die Darmschleimhaut geschädigt oder entzündet ist, sodass Proteine und Albumin aus dem Blutkreislauf austreten. Pferde mit chronischem Durchfall, Magengeschwüren oder Leberproblemen zeigen oft niedrige Werte.
Globulin
Hohe Globulinwerte können auf eine länger anhaltende Entzündung oder Infektion hinweisen. Pferde mit erhöhten Globulinwerten verbrauchen oft mehr Energie, um Krankheiten zu bekämpfen, und können trotz guter Futteraufnahme an Gewicht verlieren.
Leberenzyme (AST, GGT, SDH)
Erhöhte Werte weisen auf eine Belastung oder Schädigung der Leber hin. Eine überlastete Leber kann Energie nicht mehr richtig speichern oder freisetzen, sodass ein Pferd dünn, schlapp oder allgemein unwohl wirken kann.
Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin)
Hohe Werte deuten auf eine eingeschränkte Nierenfunktion oder Dehydrierung hin. Chronische Nierenprobleme führen zu vermindertem Appetit, Muskelabbau und einem stumpfen Fell. Betroffene Pferde trinken und urinieren möglicherweise mehr und verlieren trotzdem weiter an Gewicht.
Elektrolyte
Ungleichgewichte können auf Dehydrierung oder eine Organfunktionsstörung hinweisen. Langfristige Elektrolytstörungen beeinträchtigen die Verdauung und die Aufnahme von Nährstoffen. Ein Mangel an Natrium oder Chlorid kann Müdigkeit und verminderten Appetit verursachen.
Glukose und Insulin
Glukose und Insulin regulieren den Energiehaushalt und die Energienutzung. Auffällige Werte zeigen, dass der Körper das Futter nicht effizient in nutzbare Energie umwandelt, und können auf Stoffwechsel- oder hormonelle Störungen wie das Equine Metabolic Syndrome (EMS) hinweisen. Stoffwechselstörungen können einen Gewichtsverlust manchmal verdecken, weil sie die Fettverteilung verändern.
Adrenocorticotropes Hormon (ACTH)
Die ACTH-Werte geben Aufschluss über die Aktivität der Hirnanhangsdrüse. Erhöhte Werte können auf PPID (Cushing-Syndrom) hinweisen. Zu den Symptomen gehören ein Verlust der Oberlinienmuskulatur, ein langes oder lockiges Fell, vermehrtes Trinken und Wasserlassen sowie ein verzögerter Fellwechsel. Diese Erkrankung kommt häufiger bei älteren Pferden vor, jedoch nicht ausschließlich (Barrelet & Ricketts, 2002; Charyberdiyev & Yoldashov, 2025).

Fazit
Ein Bluttest gibt dir tiefere Einblicke in den Körper deines Pferdes und hilft deinem Tierarzt, verborgene Probleme zu erkennen, die anhaltenden Gewichtsverlust oder einen schlechten Allgemeinzustand erklären können. Ob die Ursache in der Leber, den Nieren, dem Stoffwechsel oder in einem zugrunde liegenden Entzündungsprozess liegt, die Ergebnisse helfen dabei, die nächsten Schritte auf dem Weg zur Erholung festzulegen. Wenn die Blutwerte normal sind – oder stattdessen niedrige Proteinwerte, Auffälligkeiten der Leber oder Anzeichen einer chronischen Entzündung zeigen – kann dein Tierarzt eine Gastroskopie empfehlen, um Erkrankungen wie Magengeschwüre oder Darmerkrankungen zu bestätigen.
Sobald die zugrunde liegende Ursache festgestellt wurde, verlagert sich der Fokus auf die Fütterung und das Rationsmanagement. In unserem passenden Blogartikel erfährst du mehr darüber, wie du ein untergewichtiges Pferd am besten fütterst und wie du die Ration an die jeweilige Ursache anpasst.